2026.02.13
「花をのみ 待つらん人に 山里の 雪間の草の 春を見せばや」
Fujiwara no Ietaka (Ende des 12. bis Anfang des 13. Jahrhunderts)
◆Wörtliche Übersetzung
Denjenigen, die nur darauf warten, dass die Blumen blühen, möchte ich den Frühling in einem Bergdorf zeigen – den Atem des Grases, das zwischen der schmelzenden Schneedecke hervorkommt.
◆Interpretative Übersetzung
Denjenigen, die nur nach Blüten in voller Pracht suchen,
möchte ich eine andere Art von Frühling zeigen: die stille Lebenskraft des Grases, das zwischen den Flecken schmelzenden Schnees erwacht.
Diese Sensibilität repräsentiert die Essenz von Wabi-Sabi in der japanischen Kultur –
die Wertschätzung stiller Anfänge, Vergänglichkeit und eines zurückhaltenden Lebens,
das jenseits von Aufmerksamkeit und Lob existiert.
Das Gedicht soll eines der beliebtesten von
Sen no Rikyū gewesen sein, dem großen Teemeister, der die spirituelle Grundlage der japanischen Teezeremonie geprägt hat.

In Japan findet sich Schönheit nicht nur in dem, was vor unseren Augen blüht,
sondern auch in dem, was sich still auf das Blühen vorbereitet.